Neues Forschungsprojekt zur Zukunft des Eigentums und Steward Ownership
14.07.2026
Wie verändert Steward Ownership Unternehmen? Das Forschungsprojekt ZUDE-SO untersucht Eigentum, Governance und nachhaltige Wertschöpfung
14.07.2026
Wie verändert Steward Ownership Unternehmen? Das Forschungsprojekt ZUDE-SO untersucht Eigentum, Governance und nachhaltige Wertschöpfung
An der LMU-Professur für Innovation, Entrepreneurship & Sustainability (IES) startet in Kooperation mit dem Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft (HIIG) das neue Forschungsprojekt „Zukunft des Eigentums: Steward Ownership und seine Folgen für ökonomische Leistungsfähigkeit sowie ökologische und soziale Nachhaltigkeit“ (ZUDE-SO). Das Projekt untersucht, wie alternative Eigentums- und Governance-Strukturen Unternehmen dabei unterstützen können, langfristiger, verantwortungsvoller und stärker gemeinwohlorientiert zu handeln. Das Projekt wird im Rahmen der INSIGHT-II-Fördermaßnahme vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) für zwei Jahre gefördert.
Ausgangspunkt des Projekts ist eine aktuelle gesellschafts- und wirtschaftspolitische Debatte: In Deutschland wird derzeit über die Einführung einer neuen Rechtsform für Unternehmen diskutiert, die sogenannte Gesellschaft mit gebundenem Vermögen (GmgV). Sie soll es Unternehmen erleichtern, zentrale Prinzipien von Steward Ownership rechtlich umzusetzen. Während solche Modelle bislang häufig nur über komplexe Stiftungs- oder Sonderstrukturen realisierbar sind, könnte eine eigene Rechtsform zweckgebundenes Unternehmertum deutlich zugänglicher machen.
Damit rückt Eigentum als gesellschaftliche Gestaltungsfrage neu in den Fokus. Eigentum beeinflusst, wer über Unternehmen entscheidet, welche Interessen in strategischen Entscheidungen berücksichtigt werden und wie Verantwortung langfristig institutionell verankert werden kann. Steward Ownership setzt genau an dieser Stelle an: Unternehmen sollen nicht primär der privaten Gewinnabschöpfung dienen, sondern dauerhaft an ihren Zweck, ihre Mitarbeitenden und ihre gesellschaftliche Verantwortung gebunden werden.
Zentrale Prinzipien von Steward Ownership sind die Selbstbestimmung des Unternehmens und die Vermögensbindung. Kontrolle liegt bei Menschen, die dem Unternehmen aktiv verbunden sind, während Gewinne überwiegend im Unternehmen verbleiben oder zweckgebunden verwendet werden. Das Projekt untersucht, welche Folgen solche Eigentums- und Governance-Strukturen für Unternehmen haben können — insbesondere mit Blick auf ökonomische Leistungsfähigkeit, ökologische und soziale Nachhaltigkeit sowie den möglichen Schutz vor Mission Drift.
ZUDE-SO wird von Prof. Dr. Ali Aslan Gümüşay geleitet. Dr. Tanja Schomann und Dr. Amyn Vogel sind als Postdoctoral Researcher beteiligt. Prof. Dr. Laura Edinger-Schons von der Universität Hamburg ist als assoziierte Forschungspartnerin eingebunden. Die Purpose Foundation bringt als Praxis- und Netzwerkpartnerin ihre Expertise und Zugänge zur Steward-Ownership-Praxis ein.
Ein juristischer Beirat begleitet das Projekt mit Blick auf die rechtlichen und rechtspolitischen Entwicklungen rund um neue Eigentumsformen. Ihm gehören Prof. Dr. Anne Sanders von der Universität Bielefeld und Dr. Marvin Reiff von der Europa-Universität Viadrina an.
Mit dem Projekt knüpft die Professur an ihre Forschung zu Innovation, Entrepreneurship und Nachhaltigkeit an und erweitert diese um eine grundlegende Perspektive auf Eigentum als Strukturbedingung unternehmerischen Handelns. Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse über alternative Eigentumsmodelle zu gewinnen und deren Bedeutung für zukunftsfähige Formen des Wirtschaftens besser zu verstehen.